Dienstag, 13. April 2021
Dienstag, 6. April 2021

Nachruf auf Steffen Bothendorf

Steffen Bothendorf Foto: Maximilian Schreiner

Von Frank Lehmann

Graditz/Mehderitzsch. Mit Leib und Seele hatte er sich der Pferdezucht verschrieben. Am 30. März ist der langjährige Graditzer Gestütsleiter Steffen Bothendorf verstorben. 

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Sein Name wird für ewig mit der Entwicklung und der Gestaltung des traditionsreichen Gestütes in Graditz verbunden bleiben. Steffen Bothendorf prägte mit Leidenschaft, außerordentlichem Engagement und großer Liebe über Jahrzehnte die Geschicke einer der wohl berühmtesten und bekanntesten Pferdezuchteinrichtungen in ganz Deutschland. Vor drei Jahren musste er aus gesundheitlichen Gründen seine mit Hingabe geleistete Tätigkeit als Leiter des Sächsischen Hauptgestütes Graditz beenden. Nun schloss er am 30. März im Alter von nur 66 Jahren für immer seine Augen. Sein langjähriger Freund und Wegbegleiter, der ehemalige stellvertretende TZ-Chefredakteur Frank Lehmann?, hat dem ehemaligen Gestütsleiter diesen Nachruf gewidmet.

 

Im Jahre 1980 begann Diplom-Agraringenieur Steffen Bothendorf als Assistent der Zentralstelle für Pferdezucht seine Tätigkeit in Graditz. 1982 wurde er Zuchtleiter, 1984 stellvertretender Gestütsleiter. Seit 1992 wirkte er als Leiter des Hauptgestütes Graditz und Stellvertreter der Sächsischen Gestütsverwaltung.

Hinter diesen nüchternen Fakten und Zahlen verbirgt sich jedoch ein außergewöhnliches Leben. Wer ihn kannte und schätzte, der weiß, wie sehr sich Steffen Bothendorf der Bewahrung und Erhaltung pferdezüchterischer Traditionen verschrieben hatte. Für ihn war es Ehre und Verpflichtung zugleich, das Werk der Grafen von Lehndorff, die die Graditzer Pferde einst weltberühmt gemacht hatten, fortzuführen.

Dies reichte bis hin zu persönlichen Kontakten zu der Familie von Lehndorff nach der Wende. Die zeigte sich begeistert darüber, wie es Steffen Bothendorf mit Unterstützung der sächsischen Staatsregierung gelungen war, die historische Gestütsanlage in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Ein wahres Kleinod … Vom sanierten Landstallmeisterhaus (Schloss), über die Stallungen für die Trakehner- und Vollblutzucht bis hin zum Gestütspark mit seinen Paddocks und der legendären Paradies-Koppel – alle tragen seine Handschrift.

Voller Vertrauen gaben selbst die erfahrensten Züchter ihren Pferdenachwuchs in seine Hände zur Aufzucht. Oft fachsimpelte man stundenlang miteinander. Geschätzt wurde sein Fachwissen und Können weltweit. So führten ihn mehrere Reisen unter anderem nach Namibia und Südafrika. Echte Freundschaften entwickelten sich daraus.

Unvergessen bleibt mir sein so glücklicher Gesichtsausdruck, als es ihm dank seiner Kontakte zum Scheich von Dubai gelang, den berühmten Vollbluthengst „Mamool“ für die Zucht nach Graditz zu holen.

Steffen Bothendorf liebte das Leben, die Menschen und die Pferde. In „seinem“ Graditz konnte er das alles in Einklang bringen. Als beredtes Zeugnis dafür können beispielsweise die zur Tradition gewordenen Gestütsschauen, die Veranstaltungsreihe „Pferde und Musik“ oder die vorweihnachtlichen Konzerte des Torgauer Männerchores angesehen werden.

Aber auch die Jungzüchterwettbewerbe oder die Trakehner-Leistungsschauen sollen nicht ungenannt bleiben. Um den Blick aus seinem Büro auf den Innenhof des Gestütes oder vom Balkon des Pöppelmann-Saales in Richtung Torgau habe ich ihn stets beneidet. Ein Paradies – dessen war er sich selbst sehr bewusst. Auch seine Mitarbeiter und die vielen jungen Menschen, die im Hauptgestüt Graditz ihre Ausbildung erfahren durften, werden Steffen Bothendorf als einen ruhigen, besonnenen und engagierten Menschen wohl nie vergessen.

Mit dem Buch „Hauptgestüt Graditz, 325 Jahre Pferdezucht“ hat sich Steffen Bothendorf ein bleibendes Denkmal gesetzt. Für seine Verdienste um die deutsche Vollblutzucht wurde er anlässlich seines 60. Geburtstages 2015 mit der Silbernen Ehrennadel des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen ausgezeichnet worden.Nicht nur in der Vollblut-, sondern auch in der Trakehner-Zucht hat das Wirken von Steffen Bothendorf große Spuren hinterlassen.

Ehrenamtlich engagierte er sich im 1990 gegründeten Pferdezuchtverband Sachsen. Von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung wurde er mit der Gustav-Rau-Medaille in Silber ausgezeichnet. Damit würdigt der Verband Persönlichkeiten, die sich durch außergewöhnliche Leistungen in der Pferdezucht hervorgetan haben.

All das Gesagte veranlasst mich zu dem Vorschlag an den Torgauer Stadtrat, ihn für seine Verdienste posthum zu Torgaus Ehrenbürger zu ernennen.

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