Donnerstag, 22. September 2022

Wolfgang Humpisch: "Aus moralischen Gründen nicht mehr vertretbar"

Wolfgang Humpisch: „Ich möchte mit meinem Programm für Abwechslung sorgen." Foto: SWB/HL

Von unserem Redakteur Henrik Landschreiber

Koßdorf. Wolfgang Humpisch ist einer der Gründungsväter des Wodka Trios aus dem brandenburgischen Koßdorf, welches auch im Landkreis Nordsachsen viele Freunde hat. Im SWB-Gespräch erklärt er, warum er auf Solopfaden unterwegs ist.

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SWB: Wie kam es überhaupt dazu, das Wodka Trio ins Leben zu rufen?
Wolfgang Humpisch: Die Gründung kam aus einer Bierlaune heraus zustande. Am 1. Mai 1993 hatten wir bei einem Frühschoppen an der Koßdorfer Mühle unseren ersten Auftritt. Unsere Markenzeichen waren Russenmütze und Uniformjacke – musikalisch bewegten wir uns zwischen russischer Volksmusik und deutschen Schlagern, garniert mit niedlich-spitzen Witzen. Neben dem Saxofon, welches ich spiele, gibt es die große Trommel, Akkordeon und Gesang – fertig war die Band.


Sind Sie musikalisch vorbelastet?
Nein, unsere Familie ist nicht sehr musikalisch, auch wenn meine Geschwister Akkordeon gespielt haben. Als ich 17 Jahre alt war, habe ich mir ein Saxofon gekauft und mir selbst das Spielen beigebracht.


Zuletzt ist es recht still um das Wodka Trio geworden. Gibt es das Wodka Trio überhaupt noch?
Noch ist es nicht aufgelöst. Aber wegen des Ukraine-Konflikts gibt es keine Auftritte mehr. Wir können nicht in russischen Uniformen auf der Bühne spielen, wenn woanders Menschen von Soldaten in diesen Uniformen getötet werden. Das ist moralisch nicht mehr zu vertreten.


Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Lassen Sie uns in Erinnerungen schwelgen!
1993, im Jahr unserer Gründung, hatten wir lediglich fünf Auftritte. Mit steigendem Bekanntheitsgrad explodierte die Nachfrage und ab 1994 waren wir ständig auf Dorf- und Heimatfesten sowie bei Privatfeiern aller Art unterwegs. 20 bis 25 Auftritte jährlich waren normal.


Können Sie sich den Erfolg erklären?
Unsere Außendarstellung war schon originalgetreu. Die Leute sagten immer: Genau so haben sie ausgesehen, die Russen. Ich spreche ein wenig Russisch, ansonsten mache ich die Ansagen in gebrochenem Deutsch mit Akzent. Viele Leute sprachen uns an, fragten, ob wir echte Russen wären.


Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Es ist Comedy vom ersten bis zum letzten Ton. Wir haben uns selbst als Lachnummer gesehen, Klamauk mit Spielfreude gepaart. Das sprach sich schnell herum. 


Gibt es Auftritte, die Ihnen besonders erinnerlich geblieben sind?
Da gibt es einige. Zu einem 60. Geburtstag in Döbeln spielten wir uns die Seele aus dem Leib, keine Reaktion. Die Leute saßen stocksteif an ihren Tischen und fragten: Macht Ihr das immer so? Später stellte sich heraus, dass die Geburtsgesellschaft der Kirchenvorstand des Ortes war. 1994 haben wir in Winkel bei Bad Liebenwerda zum Fasching gezempert, als zwei russische Offiziere anhielten und  über unseren Aufzug nur mit dem Kopf schüttelten. Wir haben uns selbst nicht zu ernst genommen, konnten immer über uns selbst lachen. Das ist vielleicht ein Erfolgsgeheimnis.


Wo haben Sie überall Freunde gewonnen?
Im Radius von 50 Kilometern sollte man uns kennen. Wir haben aber auch in Berlin, Dresden, Leipzig und Cottbus gespielt. Im Westen unserer Republik sind wir zweimal auf Schützenfesten aufgetreten, kamen dort aber nicht so gut an. Die Leute konnten mit den russischen Uniformen und unserem Humor nichts anfangen.


Im März 2020 legte Corona das Land lahm, welche Auswirkungen hatte dieser Umstand auf das Wodka Trio?
Natürlich hatten wir kaum noch Auftritte. Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, an den Wochenenden zu Hause zu bleiben. Später habe ich mich daran gewöhnt.
Aber mittlerweile wandeln Sie als „Windmüller“ Wolfgang wieder auf Solopfaden.
Ja, mit dem gleichen Programm wie mit dem Wodka Trio, aber einem anderen Anzug. Ich war bis zu meiner Rente selbstständiger Müllermeister, trage zu den Auftritten die Arbeitsbekleidung des Müllers. Ich trete des Spaßes willen auf, nicht wegen des Geldes. Ich werde bald 82 Jahre, sehe den Horizont von meinem Grundstück aus – das ist der Friedhof in Koßdorf (lacht).


Behalten Sie Ihren Optimismus?
Aber ja. Wir haben nur noch wenig zu lachen. Da möchte ich wenigstens mit meinem 45-minütigen Programm für Abwechslung sorgen. An meinem Saxofon habe ich Stichpunkte, was ich während des Programms erzählen möchte, aufgeklebt.


Was in unserer Gesellschaft auffällt: Es werden kaum noch Witze erzählt.
Stimmt. Zu DDR-Zeiten gab es bedeutend mehr politische Witze als heute, obwohl es durchaus viele Themen mit Witzpotenzial gibt. Vor Jahren kamen die Leute noch zu mir, wenn sie einen neuen Witz hatten. Den habe ich dann in unser Programm eingebaut. Was sich total geändert hat: Das große Meckern über jeden und alles haben wir schnell vom Westen übernommen. Dabei meckern wir auf hohem Niveau.

- Anfragen bei Windmüller Wolfgang aus Koßdorf per Telefon 035342 445

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