Donnerstag, 21. Oktober 2021
Montag, 11. Oktober 2021

Wichtiges Habitat für die Rotbauchunke

Nicole Sieck, LPV

Döbern. Im vierten Teil seiner Entdeckertouren nimmt der Landschaftspflegeverband Torgau-Oschatz Naturfreunde mit an die Alte Elbe Döbern.

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Ein Rundgang durch die dortige Elbaue ist insbesondere für Pflanzen- und Vogelliebhaber eine Entdeckung wert. Hohlwegcharakter entlang des Altwassers und weite Sicht über das Elbtal wechseln sich ab und bieten ganz unterschiedliche Eindrücke für die Sinne. Naturfreunde können hier auf einer etwa fünf Kilometer langen Route (Teilstrecken sind möglich) die Flora und Fauna des FFH-Gebietes „Elbtal zwischen Mühlberg und Greudnitz“ sowie des Vogelschutzgebietes „Elbaue und Teichgebiete bei Torgau“ erleben.

Beide Natura-2000-Gebiete erstrecken sich auf einer Flusslänge von rund 55 km entlang der Elbe und umfassen eine vielgestaltige Auelandschaft. Das FFH-Gebiet verläuft dabei fast vollständig innerhalb der Gebietsgrenzen des weiträumigeren Vogelschutzgebietes. Neben seiner Bedeutung als Wasservogellebensraum besitzt dieses insbesondere als Rast- und Nahrungsgebiet während des Vogelzuges im Frühjahr und Herbst einen hohen Stellenwert.

Das Elbtal ist durch einen hohen Grünlandanteil sowie große Ackerflächen gekennzeichnet. Die für eine Auelandschaft typischen Weich- und Hartholzauenwälder sind nur noch kleinflächig vorhanden. Dagegen prägen einzelne Altbäume sowie kleine Baumgruppen als Relikte der ehemaligen Wälder das Landschaftsbild. Obwohl vom Menschen nicht unberührt, gilt die Elbe mit ihren bei Niedrigwasser freiliegenden Sand- und Kiesbänken sowie stellenweise Abbruchkanten im Uferbereich als noch weitgehend naturnah. Weitere kleine Fließgewässer, Teiche und Teichgruppen sowie insbesondere die Altarme und Altwasser der Elbe sorgen für einen hohen Strukturreichtum der Elblandschaft. Die Randbereiche der Elbe und ihr Altwasser bilden wichtige Habitate für Fischotter und Rotbauchunke. Ihre Zuflüsse und das Nahrungsangebot an Weichgehölzen, wie Weide und Erle, schaffen für den Biber beste Lebensbedingungen. Der Bestand an Eichen, Flatterulmen, Schwarzpappeln und anderen Gehölzen mit zum Teil höhlenreichem Totholzanteil bietet unter anderem Lebensraum für Spechte und Fledermäuse.

Wegbeschreibung?:  Am Spielplatz „Zur Alten Elbe“ (Wegpunkt 1)  startet die Entdeckertour. Parkmöglichkeiten (Wegpunkt P) sind  vorhanden. Ebenso eignet sich die Tour für einen Ausflug mit dem Fahrrad, führt doch der Elberadweg direkt vorbei. Vom Spielplatz aus geht es auf einem unbefestigten Wanderweg Richtung Süden, vorbei an uralten mächtigen Kopfpappeln. Diese Zeitzeugen früherer Holzgewinnung bieten einen wertvollen Lebensraum für viele verschiedene Tiere, wie Fledermäuse, Eulen, Insekten und Schmetterlinge. Die Stämme der Schwarzpappeln wurden ehemals wiederholt in einer Höhe von etwa drei bis fünf Meter gekürzt, sodass sich immer wieder neue Triebe bildeten und der Stamm sich allmählich zu einem „Kopf“ verdickte. Bekannter als Kopfpappeln sind Kopfweiden, deren Ruten vor allem der Korbmacherei dienten. Infolge der Einschränkung der natürlichen Fluss- und Lebensraumdynamik in der   Elbaue und dem Rückgang großflächiger Auwaldstrukturen wird die Schwarzpappel heute als bedrohte Baumart in der Roten Liste geführt.

Gefolgt wird dem Weg entlang des Ostufers der Alten Elbe Döbern. Die großen Feldschläge linker Hand des Weges lassen sich nur erahnen, ist doch die Wegrandbepflanzung aus den 90er-Jahren mittlerweile zu einem artenreichen Strauch- und Baum-Areal mit Hohlwegcharakter herangewachsen. Je nach Witterung entfaltet sich etwa ab April ein wahrer Blütenkorso aus Schlehe, Weißdorn, Gemeinem Schneeball, Spierstrauch, Holunder, Hecken- und Büschelrose. Darunter mischen sich Kornelkirsche, Rosskastanie, Linde, Eiche, Ahorn, und Robinie. Im Uferbereich des Altwassers sind zudem junge Flatter-Ulmen zu entdecken. 

Gegenüber der Feld-Ulme, welche durch die Holländische Ulmenkrankheit in ihrem Bestand stark dezimiert wurde, ist die Flatter-Ulme bisher weitestgehend resistent. Um dem Ulmensterben entgegenzutreten, werden daher Torgauer Flatter-Ulmen aus gebietsheimischem Saatgut von vitalen Mutterbäumen aus der Region in der                  Elbaue als Vertreter des Hartholzauwaldes angepflanzt.

Aus dem Röhricht am Ufer des Gewässers sind die Rufe von Drossel- und Teichrohrsänger nicht zu überhören. Dass auch der Kuckuck hier zu vernehmen ist, ist kein Zufall, legt dieser sein Ei doch gern in das Nest der Rohrsänger. Neben Goldammer, Mönchsgrasmücke, Gelbspötter und vielen weiteren Singvögeln macht vor allem der Gesang der Nachtigall diesen Wegabschnitt zu einem besonderen Erlebnis. Den Wegesrand säumen Ackerwitwenblume, Gefleckter Schierling, Barbarakraut, Johanniskraut, Breitblättriger Wegerich und Beifuß. Auf einem kleinen Wiesenstück (Wegpunkt 2) rechts des Weges stehen  Wiesen-Margerite, Wiesen-Glockenblume, Scharfer Hahnenfuß, Wolliges Honiggras, Glatthafer, Wiesen-Knäuelgras, Wiesen-Sauerampfer und einige Pflanzen mehr. 

Bunte Blumenwiesen wie diese bieten Lebensraum und Nahrungsgrundlage für zahlreiche Vögel und Insekten. Am Ende des Weges stoßen Naturfreunde wieder auf den Elberadweg. Dieser teilt die Alte Elbe in zwei Abschnitte. Der kleinere südliche Teil mit einem dicht bewachsenen Steilufer sowie dem westlich angrenzenden, teils stark vernässten Waldstück, das als Flächennaturdenkmal unter Schutz steht. Man genießt den Ausblick auf das auch als Döbernsche Grube (Wegpunkt 3) bezeichnete Altwasser, dem  dann entweder durch die Ortslage Döbern zurück zum Ausgangspunkt oder entgegengesetzt Richtung Elbe gefolgt wird.

Bis zum Elbdeich sorgt die beidseitige Bepflanzung entlang des Radweges für Wind- und Sonnenschutz. Am Himmel lassen sich die Rufe des Rotmilans und im Frühjahr der  Gesang der Feldlerche vernehmen. Beides sind typische Bewohner der offenen Landschaft, die niedrige Vegetation zur Brut und zur Nahrungssuche benötigen, diese Lebensraumbedingungen jedoch immer seltener vorfinden. Am Deichübergang (Wegpunkt 4) angekommen, kann der Blick über das weite Deichvorland schweifen. Weiter geht es auf dem Deichverteidigungsweg Richtung Norden. Entlang des Weges lassen sich nicht nur Schmetterlinge und andere Insekten beobachten, auch die Zauneidechse findet hier einen Lebensraum. Am nächsten Deichübergang (Wegpunkt 5) stößt man wieder auf den Elberadweg, auf dem es zurück nach Döbern und zum Ausgangspunkt geht.

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