Samstag, 25. September 2021
Dienstag, 14. September 2021

"Wir müssen wieder das Laufen lernen"

Volker Meißner vor dem Verbandsheim „Mohrruebe" in Torgau. Foto: Laura Krugenberg

Von unserer Redakteurin Laura Krugenberg

Torgau. Der Regionalverband der Kleingärtner Torgau-Oschatz 
hat einen neuen Vorstand – und der hat viel vor 

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Volker Meißner steht vor einem Mammutprojekt: Seit Juli ist er der neue Vorsitzende des Regionalverbandes der Kleingärtner Torgau-Oschatz, zu dem insgesamt 63 Gartenvereine gehören. Doch nicht nur das. Der 63-Jährige ist zudem auch Vorsitzender des Torgauer Kleingartenverein Eilenburger Straße und kämpft seit über einem Jahr mit einer Krebserkrankung. Gesundheitlich ist er zwar auf einem guten Weg, doch die neue Verantwortung und Probleme im Regionalverband sind keine Kleinigkeiten, selbst nicht für den erfahrenen Vorsitzenden.    

Kein guter Start  

Als Volker Meißner vor wenigen Monaten zum Vorsitzenden gewählt wurde, wusste er bereits, was auf ihn zukommt. Als Stellvertreter seines Vorgängers war über den Zustand, in dem sich der Verband befindet, im Bilde, weshalb er sich zunächst nicht zu Wahl stellen wollte. Doch gegen den Rat seine Frau entschied er sich trotzdem dafür: „Eigentlich wollte ich weiterhin aus der zweiten Reihe agieren und wegen meiner Hautkrebs-Erkrankung etwas kürzertreten. Doch ich konnte die Vereine und den Verband nicht einfach so hängen lassen. Es gab keinen anderen Kandidaten für den Posten. Deshalb habe ich mich dann doch für den Vorsitz entschieden.” Jetzt will er in der Vergangenheit begangene Fehler des Regionalverbandes aufarbeiten und die Kleingartenvereine wieder zu einer stabilen Einheit machen.   Ende April hatte sein Vorgänger, Andreas Zschau, ohne Begründung seinen Rücktritt erklärt und seinen Arbeitsvertrag als Geschäftsführer gekündigt. „Es gab bisher noch keine ordnungsgemäße Übergabe. Viele Geschäftsfragen sind noch unbeantwortet”, erklärt Meißner. Aus diesem Grund war der verbleibende Vorstand zwischenzeitlich sogar handlungsunfähig. Nur durch die Unterstützung des LSK war es möglich, die anstehenden Aufgaben halbwegs zu bewältigen. Der Wechsel des Vorstandes, mit Volker Meißner an der Spitze und Tommy Fuchs und Krafft Spirling als Stellvertreter, ist deshalb auch ein Neustart für das Wirken des Regionalverbandes. „Das Vertrauensverhältnis zwischen Verband und Mitgliedervereinen ist weitestgehend zerstört, der Verband in sich gespalten. Unser Ziel ist es, dies so schnell wie möglich zu ändern und den Gartenfreunden zu zeigen, dass eine neue Zeit angebrochen ist. Wir müssen das Laufen neu lernen.”    

Großprojekt LAGA  

Dabei ist sein Blick immer Richtung Zukunft und vor allem Richtung Landesgartenschau gerichtet. Dort müsse der Verband endlich „Nägel mit Köpfen machen”. Das ist aber nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen. „Wir müssen wieder mehr miteinander reden und Probleme nicht nur vor Gericht klären”, erklärt der neue Vorsitzende und bezieht sich damit auf die derzeit 28 Verfahren des Verbandes. Ein Lösungsansatz ist deshalb schon auf dem Weg: Ab Oktober bietet der Regionalverband zweimal monatlich eine kostenfreie Rechtberatung für die Vorsitzenden der Gartenvereine in Torgau und Oschatz an. „Dort kann ganz offen über Probleme gesprochen und alle möglichen Fragen geklärt werden, sodass die Streitigkeiten vor Gericht aufhören”, hofft der 63-Jährige.   Für die Betreuung der LAGA-Mustergärten setzt Meißner weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Landesverband, sowie dem Hauptgartenverein Wolfersdorfer Straße. Aktuell sei man noch bei der Ideenfindung: „Ein Gedanke ist, dass man über das Arbeitsamt Ein-Euro-Jobber einstellen könnte, die über das halbe Jahr täglich im Hintergrund die Arbeiten in den Mustergärten übernehmen. Natürlich unter der Betreuung und Leitung des Vereins Wolfersdorfer Straße und uns.”   Vor der LAGA müsse auch noch das Problem mit dem Leerstand in vielen Vereinen geklärt werden. Hier plant Meißner einige neue Tafelgärten anzulegen. In seinem Verein Eilenburger Straße gibt es diese schon seit einigen Jahren. Das dort angebaute Obst und Gemüse geht an die Belgernaer Tafel. Nun will der 63-Jährige seine Erfahrungen gern mit anderen Vereinen teilen und beratend zur Seite stehen, den Kontakt zu Tafeln der Region herstellen, sowie bei der Umsetzung unterstützen. Sodass alle von den Tafelgärten profitieren können – die Vereine beseitigen ein Stück weit den Leerstand und hübschen ihr Erscheinungsbild auf und gleichzeitig tut man noch etwas Gutes.    

Vereine vor Auflösung bewahren 

Doch nicht nur in Vorbereitung auf die Landesgartenschau ist der Leerstand ein Problem, dem sich Meißner annehmen will. „Der Fortbestand der Vereine hat höchste Priorität. Es kann nicht sein, dass wir teilweise einen Leerstand von bis zu 50 Prozent haben.” Eine andere Bedrohung für die Gartenfreunde des Regionalverbandes ist, dass viele Vereine kaum noch in der Lage sind einen Vorstand zu bilden. Das kann im schlimmsten Fall zur Auflösung der betroffenen Vereine führen und das birgt, in Meißners Augen, nicht nur eine unheimliche finanzielle Belastung für die verbleibenden Gartenbesitzer: „Mit jedem Verein, der sich auflöst, verlieren wir ein Stück grüne Lunge in Torgau und Oschatz.” Die Lösung klingt eigentlich ganz einfach: Die Arbeit der Vorstände muss mehr Wertschätzung erfahren, so Meißner. Doch das ist bei dem aktuellen Klima leichter gesagt als getan. „Es wird nur noch gemeckert, sich nur noch beschwert und nicht mehr ordentlich miteinander gesprochen. Es ist wirklich eine traurige Situation.” Doch Meißner schaut nach vorne. In seiner fünfjährigen Amtszeit will er vor bei allem junge Leute und Familien für die Kleingartenvereine werben. „Die Pandemie hat gezeigt, dass viele junge Menschen ein Interesse für Kleingärten entwickelt haben. Das ist eine Chance für die Vereine, da müssen wir die Hand reichen. Dabei muss man den jungen Familien erklären, dass ein Garten eben nur Feiern ist, sondern eine Mischung aus Arbeit und Erholungsoase.”

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