Samstag, 25. September 2021
Dienstag, 14. September 2021

Wenn das Plagiat länger als das Original hält …

Holger Reinboth, Georg Milling und Holger Bönisch begrüßten mit Ursula und Wilfried Busse aus Zinna die ersten Besucher am Sonntag.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Großtreben. Anlässlich des Tags des offenen Denkmals bekamen Besucher spannende Geschichten rund um den Ringbrandofen in Großtreben vermittelt.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken

Industriespionage und Patenteklau sind kein Phänomen der Moderne. Der Ringbrandofen in Großtreben ist ein gutes Beispiel dafür. Im Jahre 1865 in Betrieb genommen gilt er als weltältester Ringbrandofen nach dem Hoffmannschen Bauprinzip. Problem war nur, dass Ingenieur Friedrich Eduard Hoffmann von diesem Bau nichts mitbekam. Eine spannende Geschichte, die der Zwethauer Holger Bönisch am Sonntag anlässlich des Tags des offenen Denkmals da den Besuchern kredenzte. Und nicht nur das Ehepaar Busse aus Zinna und das Ehepaar Hönigschmid aus Torgau waren begeistert. 

Bönisch empfing mit kräftiger Unterstützung des Beilroder Vorsitzenden des Ostelbienvereins Holger Reinboth und des Großtrebeners Georg Milling gut ein Dutzend Besucher am Vormittag, um über das Industriedenkmal an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt zu informieren. Dieses hatte in den zurückliegenden Jahren eine umfangreiche Sanierung erfahren. 

Dr. Helmut Hönigschmid zeigte sich im Gespräch mit der Torgauer Zeitung nachhaltig beeindruckt. „Eine sehr gute Idee, am Sonntag hierher gekommen zu sein“, sagte Hönigschmid, dessen Wurzeln im benachbarten Prettin liegen. Tausendfach sei er an dem Ringbrandofen schon vorbeigefahren. Nun wollten er und seine Frau Petra sich die Gelegenheit zu einer tollen Führung nicht entgehen lassen.

Bis 1971 war der Ringbrandofen in Betrieb. Zuletzt wurden hier jährlich bis zu 1,6 Millionen Ziegel gefertigt. Mehr als 40 Jahre lang war das am 30. März 1984 zum Technischen Denkmal erklärte Kulturgut dem Verfall preisgegeben. Im Jahr 2007 schaltete sich der Ostelbienverein mit seinen Partnern ein. Zwischen 2010 und 2013 erfolgte mit Fördermitteln aus Landkreis, Land und Bund sowie umfangreichen Spenden die Notsicherung und die Sanierung des Ringbrandofens im Umfang von etwa 130 000 Euro.

Kurios an dem Plagiat, an dem über all die Jahrzehnte immer wieder technische Prozesse optimiert werden mussten: Der Nachbau hat alle anderen legalen Ringbrandöfen, die nach dem Hoffmannschen Prinzip betrieben wurden, überdauert. Und noch etwas ist kurios: Fünf Jahre lang war der Ofen samt des kompletten Ziegeleigeländes ein Schwarzbau. Erst 1870 wurde vom Katasteramt in Torgau das Einmessen des kompletten Areals verlangt.

Der Ringbrandofen Hoffmannschen Bauprinzips gilt auch heute noch als technische Revolution in der Ziegelherstellung, die seinem Besitzer reichlich Gewinn versprach. Die bis dahin vorherrschende Brenntechnologie ließ das eingesetzte Kapital um etwa 20 Prozent anwachsen. Der Ringbrandofen mit seinem fortwährenden Brennprozess und nur noch geringen Anforderungen ans technische Personal sorgte nach Angabe Holger Bönischs jedoch dafür, dass  der Gewinn auf 60 Prozent regelrecht explodierte. 

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien


Wir-packens-an

Giroflex3

Mountainbikemagazin

Torgau Druck

AKTIONEN

Newsletter

Probeabo

Riesenmagazin

Oschatz-Magazin

Azubi-Expo-Digital

Festtagszeitung

TZ-Probelesen

Wirtschaftsmagazin

Torgau-Plus

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga