Donnerstag, 29. Juli 2021
Mittwoch, 21. Juli 2021

"Nicht ganz so hoch wie erwartet" 

Mähdrescher vom Typ Claas Lexion 740 bei der Görlich & Erdmann GbR Dautzschen im Einsatz. Foto: Oliver Görlich

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Nachdem der Start in die Getreideernte in diesem Jahr wegen der Niederschläge etwas holprig verlief, sind die Arbeiten jetzt gut voran geschritten.

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Nachdem der Start in die Getreideernte in diesem Jahr wegen der Niederschläge etwas holprig verlief, sind die Arbeiten jetzt gut voran geschritten. Gerade in den letzten Tagen konnten die Mähdrescher bei besten Bedingungen richtig durchstarten. TZ hörte sich bei einigen Betrieben in der Region um. 

Landgut GmbH Staritz, 
Katrin Mittelstädt: 

Wir haben am 28. Juni mit der Gerste begonnen, mussten den Drusch dann aber immer wieder unterbrechen. Erst am Sonntag waren wir fertig. Das war ein bisschen ungewohnt, weil wir in den vergangenen drei Jahren immer hintereinanderweg geerntet haben. Über den guten Ertrag von etwa 70 Doppelzentner je Hektar freuen wir uns sehr. Zuletzt waren wir hier nicht verwöhnt, hatten Ergebnisse um 50 Doppelzentner je Hektar. Da wir in den sogenannten Roten Gebieten produzieren, dürfen wir nur 80 Prozent des erforderlichen Stickstoffs düngen. Sonst wären die Erträge noch viel besser ausgefallen. Zudem hat im Mai ein bisschen der Regen gefehlt. 270 Hektar Gerste wurde angebaut. Jetzt geht es mit Raps (210 Hektar) und danach mit Weizen (280 Hektar) weiter. Eine kleine Fläche Dinkel mit 30 Hektar haben wir auch schon eingebracht. Normalerweise sind wir meist Anfang August mit der Ernte fertig. 

Elbeland AG Neiden, 

Torsten Kinne: 

Mit der Gerste sind wir fertig. Es gab allerdings nicht so überdurchschnittliche Erträge, wie wir nach den Niederschlägen erwartet hätten. Die Qualitäten haben geschwankt. Das nötige Hektolitergewicht, das bei 62 liegen sollte, wurde oft nicht erreicht. Es lag nur bei Mitte 50. Wir sprechen insgesamt also von guten Erträgen. 165 Hektar Gerste hat unser Betrieb angebaut. Wegen der Niederschläge wurden wir acht Tage später fertig als gewohnt. Bei unseren guten Böden in der Aue lagen die Erträge bei über 80 Doppelzentner je Hektar. Die Abnahmepreise sind auch relativ in Ordnung. Bei unserer Rekordernte im Jahr 2014 waren es übrigens über 90  Doppelzentner je Hektar. Inzwischen laufen die Arbeiten im Raps. 200 Hektar sind zu ernten. Diese Woche sind die Bedingungen dafür gut. Hier werden über 40 Doppelzentner je Hektar erwartet. Das hatten wir lange nicht. Froh sind wir, dass die Flächen in Elbenähe nicht überflutet wurden. 

Görlich & Erdmann GbR Dautzschen, Oliver Görlich: 

Es läuft bei uns! Die Gerste ist runter. 250 Hektar wurden eingebracht. Die letzten Flächen haben wir am Sonntagabend abgedroschen, nachdem am 6. Juli der Startschuss gefallen war. Allerdings hatten wir lange Regenpausen. Die Erträge sind durchschnittlich gut. Mit den Qualitäten sind wir aber unzufrieden. In der Kornfüllphase hat das Wasser gefehlt. Durch die Trockenheit gibt es überwiegend kleine Körner. Bis zu 20 Prozent fällt als Schmachtkorn (nicht voll ausgebildete Körner – Anm. d. Red)durch und muss ausgesiebt werden. Diese Menge wird uns wieder abgezogen, was wiederum den Ertrag schmälert. Der liegt bei der Gerste bei 65 bis 70 Doppelzentner, was eigentlich gut wäre. Leider hatte die Trockenheit Ende Mai/Anfang Juni doch ihre Auswirkungen. Seit Montag läuft die Raps-Ernte. Hier sind 290 Hektar zu dreschen. Die ersten Ergebnisse sind leider ebenfalls enttäuschend. Als Nächstes folgen Roggen, Weizen und ein paar Kleinflächen mit Erbsen und Hafer.

Agrargenossenschaft 
Arzberg, Christian Heinrich: 

Am Dienstag wurden die letzten Schläge mit Gerste eingebracht. Wir hatten 350 Hektar angebaut. Mit dem Ertrag sind wir zufrieden, aber das nötige Hektolitergewicht wird nicht erreicht. Wir haben bei einem Wert knapp unter 60 angefangen und sind nun schon im Schnitt bei Mitte 50. Das ist bedauerlich. Eigentlich hatten wir bei der Gerste auf bessere Ergebnisse gehofft. Inzwischen begann die Raps-Ernte. Hier lässt sich aber noch keine Einschätzung geben. 

Walkmühlenhof, 
Elke Neubert: 

Wir haben seit Dienstag die Gerste vom Halm. Begonnen hatten wir am 28. Juni mit den Erntearbeiten, wobei es danach viele Unterbrechungen gab. Wir haben verschiedene Standorte, verschiedene Sorten. Insgesamt wurden 36 Hektar geerntet. Mit den Erträgen sind wir bei der Gerste zufrieden – mit den Qualitäten nicht unbedingt. Das Wasser kam für die Gerste ein bisschen spät, dann kam sehr viel. Das soll aber keine Jammerei sein. Wir wollen uns nach den letzten Dürrejahren nicht beklagen. Dann produzieren auch viele Berufskollegen in den Nitratgebieten, sodass der Einsatz der Dünge-Mengen begrenzt ist. Insgesamt wünschen wir Landwirte uns mehr Wertschätzung für unsere Arbeit. Ein großes Dankeschön geht an die Verkehrsteilnehmer, die nicht genervt, sondern mit Verständnis reagieren,  wenn mal ein Mähdrescher auf der Straße mit Tempo 30 unterwegs ist – und die auch mal rechts ranfahren, um die Maschinen vorbeizulassen.

 

Kommentar Nico Wendt: 

Wenn Landwirte über ihre Arbeit berichten, wird ihnen gerne Jammerei unterstellt. Ein Punkt, der mich mittlerweile sehr ärgert. Das Wetter ist allerdings nie perfekt. Es wird immer Defizite geben oder Begleitumstände, die gerade nicht zu 100 Prozent passen. Diese Tatsachen muss man auch sachlich und klar benennen dürfen, ohne dass es hinterher Häme oder gehässige Kommentare in den sozialen Netzwerken hagelt. Selbst eine durchschnittlich gute Ernte kann sehr gut sein. Gerade nach den letzten drei Dürrejahren ist Durchatmen in den Betrieben angesagt. Fakt ist: Es hat in den vergangenen Wochen ausgiebig geregnet. Fakt ist aber auch, dass es im Mai und im Juni ein paar Trockenphasen gab, die sich auf das Ergebnis der Gerste-ernte niederschlagen. Die hohen Erwartungen werden hier nicht erfüllt. Dafür konnten aber andere Kulturen wie Mais und Rüben von der Witterung profitieren. Insgesamt ist die Stimmung unter den Landwirten durchaus positiv. In diesem Kontext sind auch die Statements der hier aufgeführten Agrarbetriebe zu sehen. In diesem Sinne lässt sich also einschätzen: Ernte gut – alles gut!

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